Nordwest-Zeitung vom Donnerstag, den 24.09.2015:

Minister ein Fan der Elektroautos
Olaf Lies (SPD) zu Gast bei Metallbau Kühling – Solarcarport entwickelt

Das Friesoyther Unternehmen präsentierte sein neues Produkt. Der Wirtschaftsminister sieht in Elektromobilität „ein riesiges Potenzial“.

Unten Elektroauto, oben Solarcarport: Dazwischen Niedersachsens
Wirtschaftsminister Olaf Lies (2.v.l.)
im Gespräch mit Sven
Stratmann (von links),
Ute Sperveslage, Heinrich Kühling,
Wencke Sperveslage
und Dr. Josef Gochermann

 

Gastredner: Der Niedersächsische
Wirtschaftsminister Olaf Lies
Foto: Carsten Bickschlag Foto: Carsten Bickschlag

 

Friesoythe „Wir sind das europäische Herz der Automobilindustrie“, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) am Mittwoch in Friesoythe voller Selbstvertrauen. Zwar ging er nicht auf die derzeit schwelende VW-Krise ein, doch mit „Wir“ meinte er in erster Linie die Autobauer in Wolfsburg. Er schien froh darüber zu sein, dass er nicht über manipulierte Dieselabgaswerte sprechen musste. Im Gegenteil: Sein Thema war die Elektromobilität.

Lies war nämlich Gastredner bei der Produktpräsentation des „Solarcarports“ der Friesoyther Firma H. Kühling Stahl- und Metallbau GmbH. Das Unternehmen an der Eschstraße baut Carports, dessen Grundgerüst aus Stahl und das Dach ausschließlich aus Photovoltaikmodulen besteht. Der aus dem Solardach erzeugte Strom kann direkt zum Aufladen von Elektroautos genutzt werden.

Firmeninhaber Heinrich Kühling ist überzeugt, dass sich das Unternehmen mit dem Kerngeschäft Metallbau mit der Entwicklung und dem Bau von Solarcarports für die Zukunft gut aufgestellt hat. Er richtete sich in seiner Begrüßung aber an die Politik, die Zeichen setzen müsse, denn bislang gebe es „zu wenig Anreize für Elektromobilität“.

Energiewende sichtbar

In Lies hatte Kühling aber einen Fan aus der Politikecke gefunden. „Ich bin begeistert von Elektromobilität. Darin steckt ein riesiges Potenzial“, sagte der Minister vor zahlreichen Kühling-Mitarbeitern und geladenen Gästen aus der Wirtschaft. Leider sei das in der Gesellschaft und vor allem der deutschen Autoindustrie noch nicht angekommen. Dabei warnte er davor, den wichtigen Bereich Forschung und Entwicklung nicht aus der Hand zu geben. „Das muss im Land bleiben“, sagte Lies.

Der Solarcarport der Firma Kühling sei hervorragend dazu geeignet, die Energiewende und Elektromobilität sichtbar zu machen. Der Minister lobte Kühling für die Idee, Solarenergie in Bauwerke zu integrieren. Er könne sich sehr gut vorstellen, dass die stromliefernden Konstruktionen „ideal in den öffentlichen Raum passen“. Vielleicht sogar vor dem Niedersächsischen Landtag in Hannover.

E-Autos als Normalzustand

„Ich verstehe die Autowirtschaft nicht, dass sie hier nicht mehr Gas gibt“, sagte Dr. Josef Gochermann vom Institut für Kommunikationsmanagement in Lingen, der als weiterer Gastredner über die Energiewende sprach. Er frage sich, warum Elektroautos noch nicht der Normalzustand seien. „Dann hätten wir auch keine Probleme mit Abgaswerten“, stichelte Gochermann in Richtung VW. Aber nicht nur die Autoindustrie, auch „die großen Energieversorger im Land haben die Energiewende nicht begriffen“. Da lobe er sich die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen im Land, die sich überall in Deutschland mit tollen Projekten an der Energiewende beteiligen würden. Eines von ihnen sei eben Kühling mit dem Solarcarport. Gochermann hob den Mut des Unternehmens für die Technologieentwicklung hervor.

Simon Henken, Ingenieur bei Metallbau Kühling, erklärte den Besuchern, dass man allein mit einem Carport für ein Fahrzeug täglich so viel Strom erzeuge, dass ein Zwei-Personen-Haushalt versorgt oder zwei Elektro-Golf aufgeladen werden könnten. Er sehe vor allem im Markt der Elektromobilität große Chancen für ihr neues Produkt.

Von Carsten Bickschlag

 

Link zum Originalartikel:
http://www.nwzonline.de/cloppenburg/wirtschaft/minister-ein-fan-der-elektroautos_a_30,1,1557268682.html

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Münsterländische Tageszeitung vom Donnerstag, den 24.09.2015
Lokalnachrichten - Friesoythe

Weg an den Markt noch nicht gefunden
Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies sieht noch Nachholbedarf bei Elektromobilität


Foto: Oliver Hermes

Der SPD-Mann war gestern zu Gast bei der Vorstellung eines neuen „Solarcarports“ in Friesoythe. Lies sprach von Niedersachsen als ein starkes Energieland.

Friesoythe „Die Elektromobilität hat den Weg an den Markt noch nicht wie erwünscht gefunden. Das bereitet mir Sorge“, erklärte Olaf Lies am Mittwochvormittag in Friesoythe. Der Niedersächsische Minister für Wirtschaft Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sprach bei der Vorstellung eines neuen „Solarcarports“ der Firma Kühling.

Das Stahl- und Metallbau-Unternehmen hat einen Unterstellplatz mit Solarmodulen entwickelt. Wie Geschäftsführer Heinrich Kühling erzählte, könne man so unter anderem neue Anreize für die Elektromobilität setzen. Wirtschaftsingenieur Simon Henken, der seine Bachelor-Arbeit begleitend zu diesem Thema verfasste, erklärte Technik und Aufbau: „ In der größten Variante gibt es zwei Flügel mit 104 Modulen. Mit dem erzeugten Strom können bis zu zehn Fahrzeuge jeden Tag im Jahr 50 Kilometer fahren.“ Alternativ könnten mit dem Jahresertrag auch bis zu sieben Haushalte versorgt werden.

Lies gefalle besonders die Integration der Elemente in ein Bauwerk. „Da gibt es aber noch ein großes Potential.“ Als Beispiel nannte er einen Radweg aus Solarmodulen in den Niederlanden, auch Lärmschutzwände mit Photovoltaik seien denkbar. Der Minister sieht Niedersachsen gut aufgestellt, es sei bereits ein starkes Energieland. Dabei dürfe es aber nicht zu einer Konkurrenz zwischen Sonne und Wind kommen. „Das geht nur zusammen“, mache Lies deutlich. Wichtig ist es für ihn, die gewonnene Energie auch in Mobilität zu stecken. Das Carport sei hierfür eine gute Verzahnung, gleichzeitig könne ein Auto aufgeladen und Strom gespeichert werden.

Verbesserungsbedarf sieht er bei den E-Autos, optisch müssen diese eine neue Aufmerksamkeit erzeugen. Man dürfe bei der Entwicklung nicht ins Hintertreffen geraten. „Sonst bleiben auch Forschung und Technologie auf der Strecke, wie jetzt bei anderen Gebieten.“ Schon jetzt gäbe es zum Bespiel kein Handy mehr aus Deutschland.

Dr. Josef Gochermann vom Institut für Kommunikationsmanagement in Lingen übte unter anderem deutliche Kritik an der Automobil-Branche. „Wieso geben die Hersteller im Bereich der Elektrofahrzeuge nicht mehr Gas?“ Insgesamt habe sich der Energiemarkt verändert und sei kleinteiliger geworden. Jeder könne sich eine Solaranlage anschaffen, Landwirte dürfen zudem Windkraftanlagen bauen. Gochermann lobte aber die kleinen Einrichtungen und Firmen: „Sie sind oftmals flexibler und reagieren schneller als die vier großen und trägen Versorger.“

Von Oliver Hermes

Link zum Originalartikel:
http://www.mt-news.de/index/friesoythe.php?aid=14195

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